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Montag, 4. April 2011

Einbanddecke - Anleitung

Die handwerkliche Einbanddecke:
bevor ich nun stundenlang am Pc sitze und Anleitungsvideos und Beschreibungen zur Deckenherstellung im Netz suche mach ich doch schnell mal selber eine und fotografier Schritt für Schritt ab. Anschließend sitz ich mindestens genauso lange da und schreibe meine eigene Anleitung ;-).....


Dieses Material braucht Ihr für eine handwerklich gefertigte Einbanddecke:

(es gibt auch eine industriell gefertigte die natürlich schneller geht, aber nicht soviel aushält).
Statt dem Schrenzkarton kann man zur Not auch Fotokarton nehmen, aber der ist etwas weicher. Statt Packpapier kann man auch Vorsatz -Büttenpapier nehmen, aber bitte kein Schreibmaschinenpapier - damit wird man nicht glücklich.
Wichtig, aber für den Laien oft schwierig, ist das Erkennen der Laufrichtung der einzelnen Materialien. Bei Pappe macht man die Biegeprobe - sofern man optisch nicht erkennt in welche Richtung sich die Fasern ausrichten. Im Auflicht betrachtet sieht man beim Schrenz und Fotokarton die Faserrichtung ( = Laufrichtung).
Die Laufrichung sollte immer parallel zum Buchrücken sein. (Ausnahme nur, wenn schon das Vorsatzpapier die falsche Laufrichtung hat, was aber bei gekauften Buchblocks so gut wie nie vorkommt).
Ich habe die Richtung hier mit Bleistift/Kuli markiert.

Zuschneiden der Einzelteile:
1. Höhe:
Als erstes Maß nehmen wir die Höhe des Buchblocks plus 5 mm.  In der berechneten Höhe schneiden wir Schrenzkarton 1 x , Packpapier 1 x und Pappe 2 x.
2. Breite:
Die Breite der Deckel interessiert erstmal nicht wirklich. Wir schneiden sie großzügig 2 cm breiter als der Buchblock.
Aber nun kommt die Rückeneinlage aus Schrenzkarton und da wird es wieder schwierig für einen Laien, weil der ja in der Regel keine Pappschere hat. Nehmen wir mal an, der Buchrücken ist gerade, dann muß eine Schieblehre her.
Wir klemmen den Buchblock zwischen die Deckel und nehmen mit der Schieblehre am vorderen Schnitt Maß - also nicht am Buchrücken:
Dieses Maß reduzieren wir um einen knappen Millimeter - und schon haben wir das passende Maß für die Rückeneinlage eines, wohlbemerkt geraden Buchblocks!
Für die freudigen Besitzer einer Pappschere gilt: Schmalschneider raus, Buchblockdicke ( auch vordere Kante) mit den Pappen einstellen - so, daß man das ganze Paket noch gut rausziehen kann und dann einen Millimeter abziehen.

Wenn der Buchrücken aber gerundet ist muß man mit der Rückeneinlage anders verfahren:
Klemm Dir den Buchblock mit der Vorderkante unter den Arm, so daß der Buchrücken nach unten schaut. Dann lege den Schrenzstreifen an der linken Kante des Rückens an, biege ihn um den Rücken herum und markiere die vordere, rechte Kante mit dem Daumennagel = Breite der Rückeneinlage.

Rückeneinlage auschneiden.
Die Rückeneinlage muß nun auf das Packpapier geklebt werden. Dazu erstmal die Breite der Packpapiers bestimmen - ich glaube da sprechen die Bilder für sich:



Ich nehme für diese Arbeit den Planatol-Kleber BB.
Wichtig ist das gute Anreiben des Kartons damit keine Hohlräume entstehen, die man dann am fertigen Buchrücken sieht. Mit dem Falzbein die Kanten des Kartons entlangziehen:

Für die Falzbreite stellen wir uns einen Stechzirkel auf das Maß 7,5 mm ein.
Bei dickeren Deckeln, also so über 4 mm Pappstärke nehme ich meist 8 mm oder 8,5 mm breiten Falz.
Mit dem Stechzirkel markieren wir uns nun beidseitig und oben und unten an der Rückeneinlage die Falzbreite:



Dann gehts ans Anschmieren und Zusammenkleben der Einzelteile:
Wir legen uns die 3 Teile so auf den Tisch:
(hier habe ich mit Bleistift den Leimauftrag markiert.)
schmieren zuerst die eine Seite der Rückeneinlage an,
drehen sie vorsichtig um :
und dann wird der Rest angeschmiert:
Und jetzt Endspurt:
Rückeneinlage extra legen und den ersten Deckel an den Markierungen linkskantig auflegen:
Dann das Ganze drehen und den anderen Deckel genauso auflegen aber rechtskantig- alles gut anreiben.

Die Decke ist nun zusammengehängt und wer sich nicht ganz sicher ist, ob er gerade und winklig gearbeitet hat, der kann jetzt die Probe machen:
Deckel so zuklappen:
und wenn er bündig liegt:

dann passt's!
Jetzt kann man bei gerundeten Buchblöcken die Rückeneinlage runden:

Anschließend das Buch passend einlegen um die Breite der Vorderkanten beidseitig oben und unten anzeichen ( Augenmaß!):


es empfiehlt sich vor dem Kantenschneiden den Buchblock und die Decke zu markieren, damit bei der Nachkontrolle - und später beim Anpappen der Buchblock genauso wieder eingelegt werden kann.

So, das war der erste Teil meiner Anleitung (und ich bin fix und alle;-).
Alle Klarheiten restlos beseitigt??
Diese Woche kommt dann noch der Stoffeinband dran... und dann  mach ich ein paar Tage Pause - trotzdem, wer Fragen hat der frage bitte! Antwort bekommt jeder. Ich bin nur kommendes Wo.En. unterwegs.

Kommentare:

  1. Liebe Christine,
    na, da bleiben hoffentlich bei Deinen Lesern keine Fragen mehr offen. Gute und Informative Anleitung, nach der JEDER hoffentlich nun in der Lage ist, sowas nachzubauen. Und da Anleitungen im Netz immer heiß begehrt sind, wirst Du bald 1000 neu Leser haben!

    LG Heike
    von Made-by-May

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  2. Huhu Christine :-)
    Es ist mehr Aufwand aber auch persönlicher - wenn du sie selbst schreibst. Ich freu mich drauf.

    VLG Brooke

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  3. Upps. Die Fotos waren nicht geladen und erst nach meinem Absenden meiner Nachricht sichtbar. Jetzt schaue ich mir in Ruhe deine Anleitung an. LG

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  4. Ja, das kann sein, daß es länger dauert bis sich die Seite komplett aufgebaut hat. Derweil hab ich extra die Fotos komprimiert, damit die nicht so lange brauchen. Weiß nicht, was man da noch machen könnte .. in der heutigen schnellen Zeit :-)

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  5. Nach Augenmaß hat mir am Besten gefallen :)
    Ich habs in der Lehre anders gelernt, aber wenns so auch funktioniert- prima :)

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    1. Ich muß gestehen, wie ich es in der Lehre gelernt habe weiß ich inzwischen nicht mehr so genau, denn ich war vor meiner Lehrzeit schon bei einem Handbuchbinder in Arbeit und hab mir da so einiges angeeignet. Später hatte ich eine Meisterin als Kollegin die viele Tricks aus der Werkstatt ihres Vaters mitgebracht - und weitergegeben! hat. Hier auf dem Blog sollte ich es natürlich auch so bringen, daß es Laien nacharbeiten können, glaube ich zumindest :-)
      LG Papierfrau

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