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Donnerstag, 15. September 2011

Papierklavierscharnier...

.....  tolles Wort :-)) .... so nenne ich jetzt mal diese Art Gelenk aus Papier. Japanisch angehaucht kann man so Stellwände als Paravents oder wie hier Bretter miteinander verbinden. Nur angehaucht desswegen, weil ich bewußt auf das Originalmaterial verzichte um Euch das Leben nicht unnötig zu erschweren. Wer es trotzdem wissen will: man braucht dünnes Minopaper und dickes Hosokawashi.
Man kann genauso gut dünnes Schreibpapier, Laternenpapier, Butterbrotpapier oder ähnliches nehmen und Leinen, oder Buntpapier zum Überziehen.
Ich habe mit Kozushi und farbigen Leinen gearbeitet. Als Klebstoff verwendet man im Original Kleister. Da man den aber in Verbindung mit Holz auf dem Foto nicht so besonders gut sieht habe ich ein Gemisch aus A22 und Kleister genommen.
Aus dem gleichen Grund habe ich auf den ersten Arbeitsschritt, nämlich das Bekleben der Kantenseiten mit dünnem Papier verzichtet.
Und so fangen wir nun muter an:


Ich habe für Euch 2 Buchbinderbretter miteinander verbunden - sinnfrei, aber ich hatte grad nix anderes da.
Als erstes teilen wir die Längsseite der Bretter in 4  gleiche Teile ( bei größeren Objekten entsprechen mehr) und zeichnen uns die errechnete Länge auf beide Bretter an:
Sollte die Länge nicht gut teilbar sein verkleinern wir den obersten und untersten Abschnitt gleichmäßig. Bei mir: 4 x 5 cm und 2 x 3,5 cm.
Dann schneiden wir aus dem dünnen Papier 4 Streifen (bei mir sind es 6) die jeweils so lang sind wie die gekennzeichneten Abschnitte auf den Brettern und so breit wie die Dicke eines Brettes + ca.4cm:


 Wir legen die Bretter mit den angezeichneten Flächen so:
vor uns auf den Tisch und "geben Leim":

drehen sie gegengleich:

und kleben die zurechtgeschnittenen Papierstreifen auf:


durchtrocknen lassen.
Dann legen wir die Bretter wieder übereinander und zwar diesmal so:
und geben wieder Leim.
Ein Brett umdrehen und so zusammenlegen:

Papierstreifen ankleben:

Bretter zusammenklappen, gefaltetes Papier ( oder in meinem Fall war es Leinen) dazwischen legen und das Ganze gut trocknen lassen.

Und eigentlich ist das Gelenk nun schon fertig und funktionstüchtig.


Hier  in der Bilderfolge beachte man die Beschriftung der Kanten: re + li:




Wer es etwas schöner haben will und das Gelenk verdecken will klebt einen Streifen Buntpapier oder Leinen so auf und läßt ihn gut antrocknen:


Dann schneidet man mit dem Cutter die Streifen nochmals ein:
Das Ganze auf der anderen Seite wiederholen ...und fertig!




Und jetzt hoffe ich, daß meine Anleitung soweit verständlich ist. Bin da ja ein Fachidiot und nicht gerade geübt im Verfassen solcher Texte :-)
Viel Spaß beim Bau eures papierenen Paravents und wer Fragen hat, der frage.

PS: und was ich noch sagen wollte: ich habe diese Anleitung zwischen Restaurierung und Briefbutler gebastelt. Die Aufnahmen sind nicht das Gelbe vom Ei und eine sorgfältigere Arbeit könnt Ihr wesentlich besser als ich *Frau Ungeduld* :-). Mir ging es diesmal auch rein um die Technik...... und jetzt ab ins Wochenende!

Kommentare:

  1. Das ist ja eine tolle Anleitung. Vielen Dank.

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  2. Ja, ich hoffe irgendjemand kann irgendwann irgendwas damit anfangen :-)

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  3. hömma, wenn du so weitermachst, kann ich sämtliche buchbindebücher in die tonne kloppen :) was für eine arbeit du dir für uns machst... was für ein drama, dass ich einfach nicht mehr zum buchbinden komme.

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  4. ach irgendwann kommst Du schon wieder bisserle zum Binden und dann weißt Du wo Du nachschaun kannst. Fachbücher darf man nicht wegwerfen, die muß man aufkaufen! :-)

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