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Euch und allen anderen, die nicht in meiner kleinen Buchbinderwerkstatt vorbeischauen können, habe ich dieses Blog gewidmet.
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Montag, 12. März 2012

Herr Stinker...

 hat seine Badeorgien beendet und befindet sich auf dem Weg der Besserung.
Ich soll Euch Grüße ausrichten:-).
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Wie ich mit solchen Patienten verfahre habe ich Euch ja schon früher beschrieben. Hier zum Beispiel.
An Herrn Stinkies Wunden bin ich nun mal mit der Kamera ganz nah dran gewesen und somit gibt es jetzt für die Interessieren Bilder live aus dem OP - sozusagen.
Da die Ränder und der Rücken des Buchblocks weggemodert waren mußte ich also erstmal eine Schablone anfertigen damit ich jedes Blatt wieder gleichgroß ergänzen konnte . Sie liegt hier als weißer Rahmen unter der Arbeitsplatte:
Auf der darüberliegenden Folie konnte ich, mit viel Wasser als *Gleitmittel*, die morschen Seiten gleichmäßig ausrichten.
Darüber liegt nun eine zweite Folie und großzügig dickeres Japanpaier über den Fehlstellen - ordentlich nass gemacht, damit man durchschauen kann:
Mit einem Skalpell habe ich rund um die Fehlstelle das Japanpapier so weggezogen, daß sich lange Fasern bilden, die später die Verbindung zum Papierrand herstellen:

Die obere Folie mit dem Japanpapier wird dann wieder abgenommen. Die Japanpapierteile werden mit Kleisterwasser, welches so dünn ist wie *Nasenwasser* ( falls jemand den Ausdruck noch kennt ) angeschmiert und passgenau auf die Fehlstelle gelegt.Wenn alle Fehlstellen und Löcher gestopft sind kommt
über das ganze Blatt dann noch beidseitig eine Schicht ganz, ganz dünnes Japanpapier ( hat gerade mal 3gr /m²) ebenfalls mit Kleisterwasser geklebt:

..... ja gut, das sieht man nicht wenns nass ist!

Abschließend kommt das ganze Sandwich zwischen Wachspapier - ich nehme inzwischen Hollytex Trennvlies - und Holzpappe in die Presse. Am nächsten Tag wird die Holzpappe entfernt und durch Löschkarton ersetzt.. und das 3 Tage hintereinander. Dann ist das Papier zur Weiterverarbeitung bereit.
Die Arbeit dauert für ein Blatt bis alle Löcher und Fehlstellen geschlossen sind eine gute halbe Stunde.
250 Blätter hatte ich ...... und am Sonntag bin ich damit fertig geworden!
Ein Grund zum Feiern!

Kommentare:

  1. hoch die tassen und skoll! liest sich immer wie ein guter krimi, wenn du von deinen restaurationen erzählst :) ich fühle mich auf jeden fall gut unterhalten!

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  2. in meinen Krimis werden die Totgeglaubten zu Lebenden *g* .. oder so.

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  3. Was für eine Arbeit, das wär nix für mich, bin ich viel zu ungeduldig und grobmotorisch ..
    Aber sehr interessant, ich bin erstaunt, dass die alten Seiten durch das Wasser nicht noch mehr zerstört werden.
    Eine schöne Woche noch - und Prost, KoRa

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  4. Huhu Papierfrau :-)
    Das ist ja wahnsinnig interessant bei deiner Arbeit mal *fototechnisch* live dabei zu sein. Ich würd dir gern mal über die Schulter schauen - wenn du mit dem Stinker zu Gange bist. :-)

    Was für eine Arbeit. Und das bei 250 Blatt.
    Wahnsinn!

    Morgen schicke ich dir die Email mit der Grösse der Graupappen.

    Bis dann.
    LG Brooke

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  5. Wirklich gigantisch, hier einmal einen solchen Einblick zu bekommen. Reicht denn im Falzbereich das angesetzte stärkere Japanpapier (welche Grammatur?) plus die zweimal 3 Gramm alleine für eine neue Heftung aus oder kommt da noch etwas dazu?

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    1. Ja, das reicht aus. Das stärkere Papier in diesem Fall hat 39 gr/qm und ist für *normales* altes Bütten geeignet. Es gibt aber auch noch stärkeres und natürlich dünneres Japanpapier - kann man auswählen, je nachdem wie dick das Original ist.

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    2. Vielen Dank! Da muss ich mich wohl ein wenig umsehen. Bisher kenne ich nur die 9, 11, 17 von aurelio.

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  6. Schau unter *Feinpapiere* rechts in der Einkaufliste.Die haben die Papiere der Firma Japiko übernommen ... gibt's dort allerdings nicht als Einzelbögen.

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  7. Römerturm. Danke. Da gibbets ja tausend Sorten ;-)) Rollenware ist für mich zu viel. Ich gehe mal in die Musterhefte von Buch-Kunst-Papier, um einen Überblick zu bekommen. Die haben wohl auch das Japico-Sortiment.

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